Fachanwalt Arbeitsrecht ++ Arbeitsrecht Berlin Kündigung, Abfindung ++ Rechtsanwalt Arbeitsrecht ++ Beratung Arbeitsrecht Berlin ++ Kündigungsschutzklage

Herausgabe von Zahngold

Kurios: Der Mitarbeiter eines Krematoriums kann verpflichtet sein, das aus der Asche Verstorbener übrig gebliebene Zahngold an den Arbeitgeber herauszugeben. (Landesarbeitsgericht Hamburg, Urteil vom 26. Juni 2013 – 5 Sa 110/12 –, juris). Ein Artikel von Fachanwalt Alexander Bredereck, Fachanwalt für Arbeitsrecht Berlin und Essen.

Ausgangslage:

Der Mitarbeiter eines Krematorium-Betreibers sammelte ohne Kenntnis des Arbeitgebers aus der Asche Verstorbener das Zahngold und verkaufte dies weiter an eine andere Firma. Der Arbeitgeber verlangte daraufhin Schadensersatz, da die Herausgabe aufgrund der Weiterverarbeitung des Goldes nicht mehr möglich war. Der Arbeitnehmer lehnte dies mit der Begründung ab, dass das herrenlos gewesen sei und er es sich aus diesem Grund aneignen konnte. Außerdem führte er an, dass die Herausgabe durch die Verarbeitung des Goldes nicht mehr möglich sei.

Die Entscheidung:

Das Gericht befand, dass mit den Taten des Arbeitnehmers zwar keine Eigentumsrechte des Arbeitgebers verletzt wurden, da weder der Arbeitgeber noch der Arbeitnehmer zur Aneignung des zunächst herrenlos gewordenen Goldes berechtigt gewesen seien. Im Zweifel stünde dies den Erben oder den für die Totenfürsorge Zuständigen zu. Das Gericht verurteilte den Arbeitnehmer allerdings dennoch zum Schadensersatz gegenüber dem Arbeitgeber, da dieser als Geschäftsherr die Herausgabe nach den Auftragsregeln verlangen könnte. Ist dies nicht mehr möglich, könne Schadensersatz verlangt werden (Landesarbeitsgericht Hamburg, Urteil vom 26. Juni 2013 – 5 Sa 110/12 –, juris).

Bewertung:

Die Entscheidung klärt nicht eindeutig, wem das Zahngold letztlich zustünde. Klargestellt wird jedoch, dass der Arbeitnehmer es sich nicht aneignen darf. Darin bestätigt sich ein Rechtsgefühl, dessen rechtliche Begründung etwas komplizierter erscheint. Gegen die fristlose Kündigung, die der Arbeitnehmer zusätzlich noch erhielt, blieb eine Klage erfolgslos.

Fachanwaltstipp Arbeitnehmer:

Arbeitnehmern wird unbedingt empfohlen, keine Gegenstände aus dem mutmaßlichen Eigentum des Arbeitgebers an sich zu nehmen. Ist die Eigentumslage nicht eindeutig ersichtlich, ist es empfehlenswert, den sichersten Weg zu gehen und im Zweifel nachzufragen. Hält man sich nicht daran, droht eine fristlose Kündigung. Bei einer späteren Klage kann eventuell höchstens noch eine Abfindung erzielt werden. Der Arbeitsplatz kann in der Regel nicht mehr erhalten werden.

17.9.2013