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Fragen des Arbeitgebers zu Arbeitskollegen – muss man als Arbeitnehmer antworten?

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Ein Interview von Maximilian Renger, wissenschaftlicher Mitarbeiter, mit Fachanwalt für Arbeitsrecht Alexander Bredereck, Berlin und Essen.

Maximilian Renger:
Eine Frage, die Arbeitnehmer in der Praxis mit Sicherheit auch immer wieder beschäftigt – muss bzw. sollte man dem Arbeitgeber antworten, wenn dieser einem Fragen zu Arbeitskollegen stellt?

Fachanwalt Bredereck: Da muss man ja zunächst erst einmal schauen, um was für Fragen es sich handelt. Harmlos sind natürlich Sachen wie, wann hat der Kollege Geburtstag? Solche Fragen werden in der Praxis logischerweise einfach beantwortet, ohne dass jemand besonders darüber nachdenken würde. Es kann aber natürlich auch um heiklere Angelegenheiten gehen. Fragen zur Tätigkeit eines Kollegen (Woran arbeitet der Kollege denn gerade?), bei denen also ein Bezug zum Arbeitsverhältnis besteht und der Arbeitgeber z.B. herausfinden will, ob er dem Betreffenden noch weitere Aufgaben auftragen kann, wird man beantworten müssen.

Maximilian Renger: Wie sieht es denn aber aus bei Fragen aus dem persönlichen Bereich?

Fachanwalt Bredereck: Wenn der Arbeitgeber den Arbeitnehmer über andere Kollegen aushorchen und dabei persönliche Angelegenheiten erfragen will, wird es problematisch. Da wird es für den Betroffenen zu einer Gradwanderung. Auf der einen Seite will man den Vorgesetzten nicht vor den Kopf stoßen und direkt jegliche Auskunft verweigern. Andererseits sollte man sich im Hinblick auf den Umgang mit den Kollegen auch nicht als Klatsch-Quelle präsentieren. Hier einen generellen Tipp zu geben, ist schwierig. Meiner Meinung nach profitieren Arbeitnehmer in den meisten Fällen davon, wenn sie sich diskret verhalten. Kommt eine Frage vom Arbeitgeber, die man als wirklich heikel oder unangemessen empfindet, kann man ausweichend werden oder zur Not auch einfach schweigen.

Maximilian Renger: Klingt alles etwas unsicher.

Fachanwalt Bredereck: Natürlich ist es befriedigender, eindeutige Tipps zu bekommen, aber in dieser Frage ist das wohl schlicht nicht möglich. Arbeitsverhältnisse sind in besonderem Maße von dem persönlichen Umgang unterschiedlicher Charaktere miteinander geprägt. Hier kann es abhängig von den jeweiligen Personen und Umständen zu verschiedensten Problemen kommen. Auch die Frage der eigenen Haltung spielt natürlich eine Rolle. Stellt der Arbeitgeber Fragen über einen Kollegen, der Schwierigkeiten hat und möglicherweise auf der Abschussliste steht, kann man entweder zu diesem auf Distanz gehen oder sich aber gerade schützend vor ihn stellen. Beides lässt sich unter den jeweiligen Umständen nachvollziehen. Insgesamt ist es aber jedenfalls nach meiner Erfahrung so, dass diskrete Arbeitnehmer auf lange Sicht besser fahren, als solche die breitwillig Informationen preisgeben oder streuen. Auch wenn man vielleicht eine Zeitlang die Mehrheit der Kollegen auf seiner Seite hat, kann sich das auch wieder ändern und dann steht man unter Umständen alleine da.

Maximilian Renger: Letzten Endes also wohl eher eine persönliche, als eine rechtliche Frage. Danke fürs Gespräch.

23.2.2017

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