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Arbeitsunfall: Voraussetzungen und Hinweise für Arbeitnehmer

Fachanwalt Arbeitsrecht Berlin

Alexander Bredereck, Fachanwalt für Arbeitsrecht Berlin und essen, im Interview zum Thema Arbeitsunfall.

Toni Ivanov: Wann liegt ein Arbeitsunfall vor?

Fachanwalt für Arbeitsrecht Bredereck: Um einen Arbeitsunfall jedenfalls erstmal in Erwägung ziehen zu können, muss ein Unfall gegeben sein. Umfälle werden gem. § 3 I SGB VII als zeitlich begrenzte, von außen auf den Körper einwirkende Ereignisse bezeichnet, die zu einem Gesundheitsschaden oder zum Tod führen. Kommt es zu irgendeiner Art von freiwilliger Einwirkung auf den Verunfallten, kann ein Unfall nicht mehr vorliegen.

Toni Ivanov: Unter welchen Voraussetzungen handelt es sich bei einem solchen Unfall denn dann um einen Arbeitsunfall?

Rechtsanwalt Bredereck: Falsch ist die weit verbreitete irrtümliche Annahme, dass nur dann ein Arbeitsunfall vorliegen kann, wenn der Arbeitnehmer den Unfall während der Arbeitszeit erleidet. Maßgeblich ist jedoch, dass eine versicherte Person infolge einer versicherten Tätigkeit einen Unfall erleidet.

Von diesem Versicherungsschutz erfasst sind auch Toilettengänge, der Weg zur Kantine und der Hinweg zu der versicherten Tätigkeit sowie der Rückweg. Voraussetzung für das Vorliegen eines sogenannten Wegeunfalls ist jedoch die Auswahl eines direkten, sinnvollen Weges zur Arbeitsstelle. Eine Unterbrechung oder ein Umweg schließt den Wegeunfall aus.

Toni Ivanov: Sind automatisch sämtliche Unglücke, die am Arbeitsplatz passieren, als Arbeitsunfall zu kategorisieren?

Fachanwalt Bredereck: Nein. Die versicherte Tätigkeit muss für den Unfall ursächlich gewesen sein, wobei die ausgeübte Tätigkeit bei wertender Betrachtung dem versicherten Tätigkeitsbereich zuzurechnen sein muss. Neben der zeitlichen und räumlichen Nähe zum Betrieb wird daher vorausgesetzt, dass die Handlung, bei der das Unfallereignis eintritt, bestimmt war, objektiv betrieblichen Zwecken zu dienen. Nicht als Arbeitsunfall zu werten ist daher das Verunfallen bei der privaten Nutzung von betriebseigenen Geräten. Im umgekehrten Fall ist ein Arbeitsunfall anzunehmen, wenn der Arbeitnehmer während seiner versicherten Tätigkeit ein kurzes Privattelefonat führt. Der innere Zusammenhang entfällt jedoch bei der sogenannten selbstgeschaffenen Gefahr, die nur dann relevant ist, wenn ihr betriebsfremde Motive zugrunde liegen, also wenn die betriebsbedingten Umstände keine wesentliche Ursache mehr für den Unfall darstellen.

Toni Ivanov: Was soll ich machen, wenn ich einen Arbeitsunfall erleide?

Fachanwalt Bredereck: Im Falle eines zur Arbeitsunfähigkeit führenden Arbeitsunfalls unterliegt der Arbeitnehmer einer Meldepflicht. Damit er seine Ansprüche gegenüber dem Arbeitgeber behält, muss er seine Arbeitsunfähigkeit unverzüglich seinem Arbeitgeber melden, wobei diese Meldung bei einer zu erwartenden Dauer von mehr als drei Tagen in Form einer ärztlichen Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung erfolgen muss.

Toni Ivanov: Und bekomme ich dann eine Entschädigung?

Fachanwalt Bredereck: Wird ein Arbeitsunfall anerkannt, so hat der betroffene Arbeitnehmer Anspruch auf Lohnfortzahlung, wenn er mindestens vier Wochen ununterbrochen im Arbeitsverhältnis steht. Der Umfang des Anspruchs orientiert sich regelmäßig am eingetretenen Schaden. Sein Ziel ist, den Zustand wiederherzustellen, der vor dem Unfallereignis vorlag. Die Lohnfortzahlung obliegt  für eine Dauer von sechs Wochen dem Arbeitgeber, der in diesem Zeitraum das  volle Arbeitsentgelt zahlen muss. Dauert die Arbeitsunfähigkeit länger an, so wird die Zahlung von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen, die allerdings nur 70 % des Arbeitslohns für maximal 78 Wochen auszahlen.

13.09.2014

Ein Beitrag von Fachanwalt für Arbeitsrecht Alexander Bredereck, Berlin und Essen.

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